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Bundesministerium für Bildung und Forschung
Die deutsche Wirtschaft ist traditionell geprägt von industrieller Fertigung und einer starken Exportabhängigkeit. Dienstleistungen gewinnen aufgrund des anhaltenden Strukturwandels seit Jahren zunehmend an Bedeutung so dass bereits im Jahr 2008 ca. 70% der Wertschöpfung im tertiären Sektor erwirtschaftet wurden. Besonders stark zeigt sich der Wandel in zwei Bereichen: Zum einen gewinnen dienstleistungs-orientierte Aktivitäten, wie der Bereich der Kontraktlogistik, für die gesamt-wirtschaftliche Wertschöpfung immer mehr an Bedeutung. Zum anderen sorgen Megatrends wie der demografische Wandel für ein starkes Wachstum im Bereich des dienstleistungsgeprägten Gesundheitswesens.
Das traditionelle „Benchmarking“ und systematische Vergleichen von Unternehmensprozessen beruht auf Konzepten aus der industriellen Fertigung. Bei Anwendung im dienstleistungsorientierten Umfeld stoßen diese Methoden jedoch schnell an ihre Grenzen. Es stellt sich die Frage, ob die konventionellen Methoden einer Benchmarking-Untersuchung nicht dem Vergleich von „Äpfel mit Birnen“ ähneln, da Dienstleistungsprozesse einer anderen Wertschöpfungslogik folgen als traditionelle Fertigungsprozesse.
Durch Steigerung der Produktivität kann das gesamtwirtschaftliche Wachstumspotential im Bereich der Dienstleistungen besser ausgeschöpft werden. Um diese Wachstumspotentiale realisieren zu können, sollen die theoretischen Grundlagen der Produktivität von Dienstleistungen als auch die Messung, Bewertung und Gestaltung der Produktivität von Dienstleistungen näher untersucht werden. So ist beispielsweise die Erstellung von Gesundheitsdienstleistungen im Krankenhaus auf das gezielte Zusammenspiel zwischen den primär wertschöpfenden Akteuren Patient-Arzt-Pflegepersonal auf die unterstützenden Dienstleistungen wie z.B. des Transportdienstes, Reinigungsservice und Versorgung mit Medikamenten angewiesen. Bis dato werden jedoch die unterstützenden Dienstleistungen weitgehend von systematischen Verbesserungen zur Produktivitätssteigerung ausgespart. Ähnliche Benchmarking-Probleme finden sich im Bereich der Kontraktlogistik, da die Messbarkeit und die korrekte Ermittlung eines Marktpreises über die Auftragsvergabe an einen Logistik-Dienstleister entscheidet. Bis dato werden auch hier konventionelle Benchmarks für Kosten- und Leistungsmodelle herangezogen, die wenig imstande sind eine korrekte Preis-Leistungsrelation darzustellen.
Durch das Projekt BELOUGA wird zudem der zentrale Engpass in Vertrieb und Leistungsbewertung gelöst und durch ein „wertschöpfungsorientiertes“ Benchmarking ersetzt, das einen korrekten Vergleich der Produktivität von Dienstleistungsprozessen ermöglicht. Als besonderes Augenmerk des Forschungsverbundprojektes BELOUGA gilt auch die Entwicklung eines Softwarewerkzeuges, das die Einführung und Visualisierung des „neuen“ Benchmarking in der Unternehmenspraxis ermöglicht. Zudem wird zur späteren Anwendung im Unternehmen ein Lernkonzept erarbeitet und getestet, dass die Einführung der Kennzahlensysteme und Bewertungsmodelle sicherstellt.
Als ein erster Referenzprozess zur Entwicklung eines „wertschöpfungsorientierten Benchmarkings“, wird eine „Endoprothesen-Operation“ verwendet. Die Aufnahme und Analyse des Prozesses wird sich dabei von der OP-Planung bis hin zur Schnittstelle Reha erstrecken und in mehreren Krankenhäusern durchgeführt werden. Sowohl im Krankenhausbereich als auch im Bereich der Kontraktlogistik werden eine Reihe weiterer Prozesse untersucht.
Die HAW Ingolstadt hat die Lead-Funktion für die Bewertung des Benchmarking-Vergleichs und die Konzeption „Schnittstellenmanagement“ übernommen. Gerade mit der umfangreichen Erfahrung mit den Methoden zur Verbesserung der Wertschöpfungsorientierung wird ein wesentlicher Beitrag im Rahmen des Projektes erbracht.
Im weiteren Vorgehen soll für Unternehmen ein Lernkonzept entwickelt werden, um die erarbeiteten neuen Kennzahlensysteme und Bewertungsmodelle besser verstehen und einsetzen zu können. Die neue Methodik erlaubt anschließend die Beurteilung und den Vergleich von Dienstleistungsangeboten aus der Sicht des Dienstleistungseinkaufs (z.B. Krankenhaus), sowie für Vertrieb und Verkauf von Logistik-Dienstleistungen durch einen Anbieter (Kontraktlogistikdienstleistung).
Fraunhofer SCS
Universität Bayreuth
Klinikum Ingolstadt
LKZ Prien GmbH
Prof. Dr. Jürgen Schröder
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