Die Forschungsarbeiten im Kompetenzfeld zielen auf eine Verbesserung der Insassenschutzwirkung. Hierbei verfolgt das Team um Prof. Brandmeier die Vision des Airbagsystems aller Sinne: Hören - Fühlen - Sehen - sowie den 7. Sinn des Vorhersehens. Als Stand der Technik ist das Fühlen zu sehen, die Messung der Starrkörperverzögerung. Wird das Fahrzeug stärker verzögert, als es durch die Reifen-Fahrbahn-Paarung möglich ist, kann von einem Crashereignis ausgegangen werden. Die Erweiterung dessen stellt die Messung der Strukturschwingungen in Form von Körperschall dar (CISS). Zukünftige Sicherheitssysteme und -konzepte basieren auf der Verarbeitung und Auswertung von bildgebenden Techniken wie Radar oder Kamerasysteme. Eine Vorhersage über das Straßengeschehen und das Umfeld außerhalb des sichtbaren Fahrzeugerfassungsbereichs soll über eine Car-to-Car (C2C) Kommunikation ermöglicht werden.
Das Institut für Angewandte Forschung (IAF) der Hochschule Ingolstadt hat gemeinsam mit dem Airbag-Systemlieferanten Continental, Chassis & Safety aus Regensburg sowie Audi und Volkswagen ein neues Unfallerkennungssystem entwickelt, welches 2008 in der ersten Fahrzeugplattform in Serie geht. Dieses System nutzt den beim Unfall entstehenden Körperschall dazu, die Verformung des Fahrzeugs zu erkennen. Damit werden die Insassenschutzsysteme wie Airbag und Gurtstraffer mit zum Teil weniger Sensoren als bei heutigen Systemen schnell und gezielt aktiviert. Die Technologie, die synchron in mehreren Projekten zwischen dem IAF und Continental entwickelt wurde und wird, birgt ein enormes Potenzial zur Verminderung des Verletzungs- und Todesrisikos in kritischen Unfallsituationen. Ziel des Projektes ist es, Entwicklung und Einsatz dieses Systems voranzutreiben. Der Fachhochschule Ingolstadt und Continental wurde und hierfür der Bayerische Innovationspreis 2008 verliehen. Des Weiteren wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Aktuell wird wieder in Zusammenarbeit mit Continental eine Erweiterung für das bewährte System zur Crasherkennung, dem Crash Impact Sound Sensing, entwickelt. Hierbei wird mittels einer Mechanik im Fahrzeug gezielt Körperschall erzeugt. Dieses Signal wird geschwindigkeitsabhängig gestaltet und lässt zur Diskriminierung der relativen Crashgeschwindigkeit der Unfallpartner nutzen. Hierdurch kann der Airbag noch gezielter ausgelöst werden und die Fahrzeugsicherheit nochmals gesteigert werden.
Für die Detektierung von Crashs an der Fahrzeugseite mit Crash Impact Sound Sensing gelten andere Voraussetzungen als für die Front. Die Auftreffpunkt ist variabler und von der Beschaffenheit ist die Fahrzeugseite sehr unterschiedlich. Je nach Auftreffpunkt unterscheidet sich das Signal und die Intensität des Körperschalls. Somit ist schwieriger einen Seitencrash zu erkennen.
Ziel der Aktivitäten ist der Austausch von Sensorinformationen verschiedener Fahrzeugsicherheitssysteme zur Funktionsoptimierung sowie zur Erzeugung neuer Funktionen. Beispiele hierfür sind zum einen die Nutzung der Fahrdynamikinformationen aus Systemen der aktiven Sicherheit, beispielsweise von Fahrstabilitätssystemen (ESP), sowie zum anderen der Umfeldinformationen von Fahrerassistenzsystemen wie beispielsweise Active Cruise Control (ACC) oder anderer aktiver Sicherheitssysteme. Im ersten Fall liegt der Fokus auf der optimierten Auslösung von Rückhaltesystemen bei Überschlagen des Fahrzeugs (Active Rollover – IPAS). Im zweiten Fall soll die Schutzwirkung der Rückhaltesysteme im Frontal- und Seitencrash durch Informationsgewinnung vor der Crashphase mittels Nutzung von Umfeldinformationen verbessert werden (APS). Kooperationspartner sind hierbei neben den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) LTT GmbH, MicroFuzzy GmbH und Procitec GmbH die Unternehmen AUDI AG und Continental.
Prof. Dr.-Ing. Thomas Brandmeier
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