Im April 2011 fand das deutsch-brasilianische Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation seinen Ausklang. Es ist ein Exempel dafür, wie wichtig Innovationen als Basis für nachhaltige Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit sind und welche Bedeutung einer strategischen Allianz beider Länder zukommt. Als aufstrebendes Schwellenland besitzt Brasilien, mit seiner wachsenden Bevölkerungszahl und einem gesteigerten Mobilitätsbedürfnis, bspw. ein großes Wachstumspotenzial im Automobilsektor. Angesichts einer deutlich erhöhten Zahl von Verkehrstoten nehmen Verkehrssicherheitsaspekte dabei einen entscheidenden Stellenwert ein. Dieser Tatsache trägt auch die UN-Dekade der Verkehrssicherheit 2011-2020 Rechnung.
Mit Blick auf die bayerisch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen kann man festhalten, dass Brasilien der wichtigste Wirtschaftspartner Bayerns in Lateinamerika ist und einen der bedeutendsten globalen Zukunftsmärkte darstellt. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die bayerisch-brasilianischen Beziehungen auf eine lange Tradition zurückblicken können. Ihre Wurzeln reichen zurück bis ins 16. Jahrhundert und damit in eine Zeit, als die „Neue Welt“ bzw. das Interesse an ihr in Europa gerade erst entdeckt wurden. Brasilien übte dabei nicht nur auf Händler und Kaufleute, sondern gerade auch auf bayerische Wissenschaftler eine große Anziehungskraft aus. So bereisten die Naturforscher Carl Friedrich Philipp von Martius und Johann Baptist Ritter von Spix Brasilien zwischen 1817 und 1820 im Auftrag von König Maximilian I. von Bayern. Auch die naturwissenschaftlich gebildete Prinzessin Therese von Bayern, die Tochter des Prinzregenten Luitpold von Bayern, unternahm Forschungsreisen nach Lateinamerika u.a. auch nach Brasilien.
An diese Tradition des wissenschaftlichen Austauschs zwischen Bayern und Brasilien knüpften Prof. Thomas Brandmeier, Leiter des Kompetenzfeldes Fahrzeugmechatronik, und Georg Overbeck, Leiter der Forschungsadministration am IAF, bei ihrer zweiwöchigen, aus Hochschulmitteln finanzierten, Fact-Finding- Mission im März 2010 an. Bei ihren Besuchen an der Universidade de São Paulo, der Universidade do ABC in São Paulo und der Universidade Federal do Paraná in Curitiba konnte nicht nur der Grundstein für künftige Kooperationen in den Feldern Fahrzeugsicherheit und -mechatronik sowie der Körperschalltechnologie gelegt werden. Auch konnte Professor Brandmeier für eines seiner Hauptanliegen, die „Vision Zero“, sensibilisieren.
Auf der weltweit größten und wichtigsten internationalen Tagung der brasilianischen Wissenschaftsvereinigung SBPC (Sociedade Brasileira para o Progresso da Ciência) konnte sich die Hochschule Ingolstadt bei einer zweiten Brasilienreise im Juli 2010 dann der Öffentlichkeit präsentieren. Neben den großen deutschen Wissenschaftsvereinigungen wie Helmholtz oder Fraunhofer und weiteren Universitäten konnte sie auf dem vom BMBF initiierten Gemeinschaftsstand „Research in Germany“ einer internationalen Zielgruppe die Forschungsprogrammatik von CARISSMA vermitteln.
Dank einer großzügigen Förderung durch die Bayerische Forschungsstiftung ließen sich diese ersten Kontakte im Rahmen von zwei Delegationsreisen des Kompetenzfeldes für Fahrzeugmechatronik, intensivieren und verstetigen. Im Rahmen der zweiten Reise unterzeichnete Prof. Dr. Markus Petry, Vizepräsident der Hochschule Ingolstadt, einen Kooperationsvertrag mit der Universidade Federal do Paraná in Curitiba. Dadurch eröffnen sich für die Ingolstädter Studierenden künftig Möglichkeiten für Auslandssemester und kooperative Promotionen an der UFPR. Zudem konnten durch die beiden Reisen Chancen für Auslandspraktika und der Technologietransfer gerade im Automotive-Bereich forciert werden.
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