Wenn ein Motorrad lehrt was für den Beruf wichtig ist

Was ist wirklich wichtig von dem, was ich lerne? Wie hängt das alles im echten Leben zusammen? Damit die Studentinnen und Studenten bereits im ersten Semester diese drängenden Fragen beantworten können, wurde die Vorlesung TBLA (Technische und Betriebswirtschaftliche Lern- und Arbeitstechniken) phantasievoll weiter entwickelt. Am Beispiel eines Motorrad-Projektes lernen die Erstsemester life und interdisziplinär, wie Ingenieur- und Betriebswissenschaften an einem Strang ziehen.

Die Idee
„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit zu verteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer!“ Dieses Sprichwort von Antoine de Saint Exupéry war Ansporn für die Fakultät Maschinenbau, bei den Studierenden bereits von Beginn des Studiums an die Leidenschaft für den Ingenieurberuf zu wecken. Anhand eines konkreten Produktbeispiels, in diesem Fall einem Motorrad, wurde diese Idee in die Tat umgesetzt.

Das Konzept
Zwanzig Studienanfängerinnen unterbreiten ein Angebot für eine ausgewählte Motorradkomponente. Sie gründen eine Firma, teilen sich in zehn Berufsgruppen auf und arbeiten als interdisziplinäres Team. Sie recherchieren, präsentieren, organisieren und bringen erstaunliche Ergebnisse zusammen. Studium führt zum Beruf!

Der Hintergrund
Am Anfang stehen meist Fragen bei Dozenten und den Studierenden. Die einen suchen Antworten, welche Inhalte in ihrem Fach wichtig sind, die anderen, wie das alles in Summe zusammenspielt, für was das evtl. gut sein könnte. Die Umstellung auf die neuen Bachelor-Studiengänge gab letztendlich den Anstoß, strukturelle Antworten zu finden, also in den Studienplänen integrierte Ansätze zu verankern. Die Grundidee der Lehrveranstaltung, die von den Professoren Dr.-Ing. Markus Petry, Dr.-Ing. Maximilian Schmidt und Dr.-Ing. Thomas Suchandt (Vizepräsident der Hochschule Ingolstadt) entwickelt wurde, zielt auf die Verwendung eines technischen Erzeugnisses ab, das von allen Fachkollegen im Rahmen ihrer Lehrveranstaltungen in den Bachelor-Studiengängen Maschinenbau, Fahrzeugtechnik und Wirtschaftsingenieurwesen als Referenzbeispiel herangezogen werden kann. Dieses Referenzerzeugnis sollte überdies bereits im ersten Studienjahr als Plattform für Projektarbeiten dienen und eine direkte Verzahnung der Bibliothek in den Lehrbetrieb des Grundstudiums realisieren können. Das Produkt Motorrad kristallisierte sich sukzessive als sehr geeignet heraus, da es nicht nur die Ingenieurthemenstellungen sondern auch als emotionales Erzeugnis sehr viele betriebswirtschaftliche Ansatzpunkte beinhaltet. Die Fakultät für Maschinenbau konnte BMW Motorrad gewinnen, ein komplettes Motorrad sowie zusätzlich einen kompletten Teilesatz bereitzustellen.

Premiere: Das erste vollverkleidete Wasserstoff-Rennfahrzeug

Die Hochschule Ingolstadt und das Royal Melbourne Institute of Technology entwickelten gemeinsam den ersten voll verkleideten Rennwagen im Le Mans-Stil mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor und Druckwasser-stoffspeicher.
Nach drei Semestern Arbeit wurde er 2009 in Melbourne präsentiert.

Im November 2008 wurden der in Ingolstadt entwickelte Motor und das in Australien gebaute Chassis zusammengefügt. Drei Semester lang – seit März 2007 – hatten mehr als 50 Studenten in Ingolstadt unter der Federführung des Projektgründers und leitenden Ingenieurs, Prof. Dr. Jörg Wellnitz – Professur für Leichtbau an der Hochschule Ingolstadt – (Dekan der Fakultät Maschinenbau) sowie über 40 Studenten in Melbourne an der Entwicklung des Prototyps gearbeitet. So genügt das im Rennauto verbaute aufwändige Tanksystem höchsten Sicherheitsansprüchen und ist mehrfach zertifiziert. Der Prototyp soll nun weltweit für den funktionierenden Einsatz von Wasserstofftechnologie in Fahrzeugen werben.

Zahlreiche Sponsoren, auch aus der Automobil und Zuliefererbranche, unterstützen das Forschungsprojekt. Im Frühjahr fand ein Geschwindigkeitsrekordversuch in Melbourne statt, der im Guinness Book of Records in der Kategorie „Kleinstes und schnellstes Fahrzeug mit Wasserstoffverbrennungsmotor“ eingetragen werden soll. Der Rennwagen war auch auf dem Stand von Bayern Innovativ auf der IA 2009 in Frankfurt.
Ziel der Fakultät Maschinenbau der Hochschule Ingolstadt ist es, in Form dieses spektakulären Rennwagens das Wasserstoffantriebskonzept publik zu machen und damit auf die praxisorientierte Verwendbarkeit erneuerbarer Energien aufmerksam zu machen.